• Wolfgang Fobo

Alkohol in China

„Warum ist Frau Merkel nicht zu den Olympischen Spielen gekommen, obwohl wir sie eingeladen hatten?“

Meine Antwort musste ich mit einer Zunahme des Blutalkoholspiegels von mindestens einem Promille bezahlen.

„Ich wollte sie ja schicken, aber sie hat nicht auf mich gehört“.

Die Folge war, dass ich, zu zwölft am Tisch, mit 11 trinkfesten Chinesen der Reihe nach ein Glas Bier ex trinken durfte. Anfangs noch eine Gaudi, gingen die letzten Gläser doch schwerer.

Aber vielleicht wird ja ein Projekt draus.

Und bei dieser Gelegenheit will ich über Alkohol und China berichten. Der Alkoholkonsum lässt sich meiner Erfahrung nach regional kurz mit „Je Nordost, desto Schnapsdrossel“ beschreiben, und immer, wenn ich Richtung Nordosten fliege, fliegt die Spannung mit, welche Herausforderung ich diesmal wohl bestehen muss.

Großen Respekt habe ich vor allem vor den Shandongesen. Ich werde nicht den Tag vergessen, als mich die Schwester meiner dortigen Kontaktperson einmal in Grund und Boden gesoffen hat. Diese Erfahrung durfte auch einmal ein gestandener Bayer in München machen, als ich eine Delegation aus Shandong in das Restaurant Welser Kuche einlud. Ein schmächtiges Männlein aus dieser Delegation sollte von einem Bayern am Nachbartisch vorgeführt bekommen, wie viel Bier die Bayern trinken können. Der Wettkampf dauerte keine halbe Stunde, da lag der Bayer am Boden.

Bei solchen Sauf-Ritualen bin ich immer bestrebt, möglichst wenig Alkohol in mich hineinzupumpen. Relativ gut läuft das, wenn ich mir den Alkohol selbst aussuchen kann – alle trinken nämlich dasselbe. In der Regel gehe ich dann auf Rotwein. Den trinkt man aus Schnapsgläsern – ex, da sind die Mengen gering, und der Alkoholpegel steigt langsamer als mit Schnaps. Im Nordosten ist aber der Schnaps voreingestellt, und Chancen auf Wein habe ich eher in Zentral- oder Südchina. Beim Bier sind es vor allem die Mengen, die alle wieder entsorgt werden müssen.

Loben muss ich die Chinesen auch, denn sie sind doch meistens recht rücksichtsvoll. Wenn sie merken, dass ich langsam in die Knie gehe, lassen sie mich in Ruhe. Mit Ausnahmen allerdings, wie vor kurzem in Jiangyin, als unser Kunde wohl seinem Leidensdruck mit unserer Firma Ausdruck geben wollte und mich alkoholtechnisch niedergerungen hat.

0 Ansichten

©2019 by Wolfgang Fobo

  • Black LinkedIn Icon

Proudly supported by UniMind