Suche
  • Wolfgang Fobo

Hexerei


Das ist wieder eine der Geschichten, welche man nicht glauben will. Mit welcher man sich aber auseinanderzusetzen hat, wenn man so unterwegs ist wie ich und Menschen trifft, welche ihre Geschichte erzählen.

In diesem Fall war es mein neuer Vertreter in Malaysia, nennen wir ihn Lau. Dass irgendwas nicht mit ihm stimmte, spürte ich auch, aber ich kam nicht dahinter. Nicht ganz gesund erschien er mir, manchmal sprunghaft dazu, und ich war unsicher, ob ich mich auf ihn verlassen könne.

Bis er dann gegenüber seinem Freund und Geschäftspartner auspackte, und ich durfte Zeuge dieser Unterhaltung werden.

Lau fühlte sich schon seit über einem Jahr schlecht, hatte Schlafstörungen, keinen Appetit, fühlte sich schlapp, und das regelrecht auch im Bett mit seiner Frau. Er ging von Arzt zu Arzt, ließ sich auf Herz und Nieren untersuchen, nur fanden die Ärzte eben nichts. Bis seine Freundin eines Tages, als er besonders schlecht drauf war, ihn ins Auto packte und mitten in der Nacht ins über 100 km entfernte Malacca fuhr. Dort wohnte ihr Meister, und der kannte sich mit Verhexungen aus. In der Tat fand dieser Meister sofort heraus, dass Lau verhext sei. In einer ersten Reinigungszeremonie konnte er Lau von seinem Fluch befreien – Lau fühlte sich auch sofort besser. Aber der Meister sagte auch Lau, dass diese „Angriffe“ wiederkämen, vom Hexer eben, und er sich dagegen wappnen müsse.

Dieses endliche Entdecken der Ursachen seines schlechten Zustandes lag gerade mal 2 Wochen zurück. Sein Freund empfand diese Geschichte als relativ natürlich, als sei es eben in Malaysia üblich, dass man verhext werden kann. Lau glaubte vorher überhaupt nicht an solche Sachen, aber die Tatsache, dass dieser Meister die Sache in den Griff bekommen konnte, ließ ihn an seinem Verstand zweifeln.

Nun denn, er war in den letzten Tagen immer wieder mit seinem Meister in Verbindung, welcher ihm unter anderem ein Amulett mitgegeben hat. Auch müsse er im Hause überall Schweinefleisch aufstellen, denn der Hexer sei Muslim (der Meister wollte nicht sagen, um wen es sich handelte). Aber für Lau reimte sich die Sache langsam zusammen. Er verdächtigt seinen JV-Partner, hinter dieser Aktion zu stehen, denn nur er wisse so viel über ihn wie man wissen muss (unter anderem braucht man zum Verhexen den Geburtstag des Opfers, sonst klappt das nicht). Viele Aktionen des Partners ergaben so plötzlich Sinn, die fehlenden Glückwünsche, fehlende Besorgnis um seinen Zustand, und in einem Fall sah Lau auch seine Silhouette im Traum. Sein Partner ist demnach auf den geschäftlichen Erfolg von Lau eifersüchtig und will Lau schwächen, gewissermaßen damit sein eigenes Lämpchen relativ heller brennt.

Dass ich die ganzen Tage vorher unruhig war wegen Lau, muss ich hier auch gestehen, denn Lau antwortete nicht auf meine emails, und ich war unsicher, was oder wer mich wohl erwartete, wenn ich in Kuala Lumpur eintraf. Lau reagierte in der Tat auch erst kurz vor meiner Ankunft, denn, wie er sagte, er fühlte sich so miserabel, dass er nicht wusste, was er schreiben sollte. (und meinen Anruf will er nicht erhalten haben, genauso wie andere Anrufe auch).

Der Meister hat Lau angekündigt, dass er am Vortag meiner Ankunft so gegen 7 Uhr abends einen neuen Angriff erleiden würde. Er solle sich dann ins Bett legen, das Amulett unter das Kopfkissen, und der Meister würde so lange für ihn beten. In der Tat hatte er dann im Bett merkwürdige Regungen, unter anderem wildes Augenzucken. Aber der Angriff ging wohl tatsächlich schadlos an ihm vorbei.

Der Gipfel seiner Erzählungen war dann sein Erlebnis gerade an dem Morgen, als wir uns auf den Weg durch die Behörden machten. Er fühlte morgens beim Aufwachen ein Kratzen im Hals, und als dieses Kratzen mit einem Trinken eines Glases Wasser nicht aufhörte, putzte er sich die Zähne. Und dann spuckte er einen Mund voll toter Würmer aus. Er konnte seinen Augen nicht trauen, und nahm einen dieser Würmer auch in die Finger, um zu prüfen, ob es sich um eine Augentäuschung handelt.

Und hat dann alle diese Würmer weggespült (...die hätte ich wohl eher in einem Behälter verstaut...).

Meine Fragen an Lau gingen denn eher in die technische Richtung, ob man denn das Hexen lernen könne, sagen wir in einem Kurs, und ob ein Hexer beliebig viel Energie habe, sagen wir mal die ganze Menschheit zu verhexen. Und ob es Adressen für die „Gegenhexer“ gibt, wo man dann hingeht, wenn man sich verhext fühlt. Aber dazu wusste Lau nichts zu sagen, außer dass das Verhexen selbst auf den Hexer zurückschlagen kann, insbesondere auf dessen Kinder. Denn ein Hexer geht mit dem Verschicken solch negativer Energie durchaus ein Risiko ein, dass diese negative Energie auf seine eigene Familie zurückfällt. In der Tat fiel Lau dann ein, dass eines der 3 Kinder des mutmaßlichen Hexers eine schwere Behinderung hat. Und beide Kinder seiner jüngeren Schwester, welche ebenfalls einmal versuchte, ihn zu verhexen, seien auf unerklärliche Weise ums Leben gekommen.

Wenn ich mir solche Geschichten anhöre, und diese hat uns den halben Tag beschäftigt, immer wieder war die Rede davon, kann ich nur staunen, was es zwischen Himmel und Erde alles gibt. Es ist mir dabei weniger wichtig, was wahr sein kann und was nicht – auch ich selbst habe schon einige unerklärliche Phänomene erlebt – nein, es fasziniert mich eher die Tatsache, was der Mensch alles glauben kann oder für wirklich hält.

Da kommt nun ein Mitten im Leben stehender Ingenieur mit seinen 55 Jahren auf solche Erklärungen, welche ihm einleuchten, und welche ihm auch effektiv helfen, wie im Falle dieses Meisters, mit welchem er jetzt in Verbindung ist.

Dieser Meister hat ihm auch geraten, unbedingt aus seinem alten Büro auszuziehen, da sei zu viel schlechte Energie. In einer Nacht- und Nebelaktion hat dieser Meister dann dieses Büro aufgesucht und überall „Hexerei-Zeichen“ entdeckt. Lau hat auch bereits ein neues Büro, das hat er mir gezeigt. Auch sein altes Büro habe ich besucht, konnte aber keine „negativen Schwingungen“ spüren.

Der mutmaßliche Hexer weiß nicht, dass er im Verdacht steht, damit will Lau ihn auch nicht konfrontieren. Er will sein JV auflösen. Seine Sekretärin fühlt sich auch nicht mehr wohl und bekommt bereits dieselben Hautausschläge wie sie Lau bekommen hatte, aber auch die will er noch nicht einweihen.

In einem Dreier-Gespräch dann mit einem Brückenplaner, als wieder darauf die Rede kam, erzählte mir dann dieser Planer auch seine Geschichte. Er sei im Alter von 27 Jahren verhext worden, er fühlte sich damals sehr schlecht und wußte nicht warum. Auch er wurde dann eher zufällig kuriert, als ihn ein Freund zu solch einem Meister führte, welchem ihn den Teufel gewissermaßen austrieb.

Diesen Planer habe ich als äußerst nüchternen Menschen kennengelernt, und mir war es, als ob er Lau bestätigen wollte.

Solche Hexereien seien früher häufiger der Fall gewesen, dann insbesondere auch, wenn man Malaiinnen das Herz brach und sich aus dem Staub machte. Die waren damals wohl oft in der Lage, einen Fluch hinterherzuschicken.

Aber heute – nein – das spiele sich recht verborgen ab.

Ich weiß nicht. Eigentlich sollte es ja einen Markt für solche Flüche geben, ich sollte sowas bestellen können und meinem Feind an den Hals schicken. Ach ja, das fragte ich denn auch Lau, ob er denn nicht in den Gegenangriff übergehen wolle und diesem mutmaßlichen Übeltäter ein paar Flüche zuschicken wolle. Nein, dass wolle er nicht, er begnüge sich mit der Verteidigung. Und es sei ja auch so, dass schlechte Taten – und darum würde es sich auch zweifellos handeln – oft auf den Täter zurückfielen.

Und jetzt muss ich mich an meinen indischen Wahrsager vom Juli 2010 erinnern. Unter anderem sagte er, dass es Kollegen in meiner Firma gäbe, welche auf mich sehr neidisch seien, gegen mich arbeiten würden und auch nicht zurückschrecken würden, „Black Magic“ gegen mich zu verwenden. So sagte er wörtlich. Und ich brauchte keine Sekunde, bis mir eine in Frage kommende Person einfiel. Aber ich lebe damit und trage kein Amulett, schlafe immer noch gut, habe gesunden Appetit und fühle mich auch nicht schlapp. Aber dass diese Person gegen mich arbeitet, das ist für mich Tatsache. Und während ich dies schreibe, fällt mir ein, dass diese Person gerade im Krankenhaus liegt…

Zurück ins richtige Leben…

1 Ansicht

©2019 by Wolfgang Fobo

  • Black LinkedIn Icon

Proudly supported by UniMind