• Wolfgang Fobo

Südliches Afrika im Februar 2013


9.2. der Flieger musste in Victoria Falls, Zimbabwe, runter, wegen schlechten Wetters. Ankunft in Livingstone mit 2 Stunden Verspätung. Banken hatten schon geschlossen, und der Geldwechsel im Supermarkt war eine Mords-Zeremonie.

Ansonsten erst einmal ausgeruht. Am Pool.

10.2. Mary hat einen Narren an mir gefressen. Nennt mich Papa. Ich könnte auch ihr Vater sein. Sie saß im gleichen Bus zu den Fällen, zusammen mit Sophie, einer jungen Deutschen. Weil man eben die gleiche Route macht, bleibt man irgendwie meistens zusammen. Und so hat Mary mich irgendwie gut gefunden, einen anderen Reim kann ich mir nicht machen. Ein paar Photos wollte sie von uns beiden haben, vielleicht verkauft sie mich Zuhause in ihrer Hütte jetzt als Boyfriend aus Germany.

Patschnass wird man bei den Wasserfällen, wenn man keinen Regenschutz hat. Ansonsten ist Foz majestätischer. Und der nächste Geldwechsel, was für eine Bürokratie. Und Mary hat mich auch noch angerufen. Ob meine Telefonnummer stimme. Denn ich sollte sie anrufen, damit sie meine Telefonnummer hat. Weiberleut. Und ein Fehler von mir, wie ich bald merken sollte.

11.2. Rüber nach Zimbabwe. Abgerissene Burschen empfangen und schon an der Grenze und wollen uns alles mögliche andrehen. Uns, damit ist Gergana gemeint, eine bulgarische Französin, welche zufällig denselben Weg hat wie ich und mit der ich den Tag in Victoria Falls verbringe. Seit in Zimbabwe der Dollar eingeführt ist, geht es wieder aufwärts, und in Vic Falls gibt es doch mehr Touristen, als ich dachte. Aber immer werden wir angemacht, irgendwelche Figuren kaufen, oder Inf lationsgeld, oder eine mildtätige Spende für den hungrigen Verkäufer.

Die Wasserfälle geben von der Zim Seite aus mehr her. Bessere Perspektiven für Photos. Aber patschnass bin ich doch geworden, aber wie. Da half kein Regenschirm, voll durchweicht nach 15 Minuten an den Fällen. Kommt alles von den Fällen, von der Gischt, und nicht vom Regen, welcher auch noch fällt. Mein ganzer Rucksackinhalt war durchweicht. Und mein IPhone hat erst mal gestreikt.

Der Höhepunkt war dann der High Tea im legendären Victoria Falls Hotel, einem Hotel, welches die englischen Kolonialzeiten hochleben lässt. Und das in Zimbabwe, was für ein Gegensatz. 15 USD habe ich für den High Tea gelöhnt, das war die Ausgabe allemal Wert, um solch ein Ambiente zu genießen.

Tiefe Polster, alte Gemälde von den Royalties, Geweihe an der Wand. Und alle Gebäude in blendendem Weiss. Edler Pool, und in den manikürten Rasen hat ein einsames Warzenschwein seinen Weg gefunden.

Leider konnte ich keine Photos mehr machen, denn meine Kamera hatte vor lauter Nässe den Geist aufgegeben, das Objektiv war von Innen beschlagen.

Mich dann noch von Gergana verabschiedet - sie übernachtete im Shoestring, eine sehr empfehlenswerte Travellerscheck-Absteige. Und ging zu Fuß über die altehrwürdige Bogenbrücke zurück nach Sambia, mit dem Gefühl, dass man auch mehr Tage in Zimbabwe verbringen kann, ohne aufgeschmissen zu sein.

generell muss ich sagen, alle Schwarzen hier sind aber sowas von freundlich, viel freundlicher als wir kühlen Mitteleuropäer. Und so betreibe ich unwillkürlich Völkerverständnis in eigener Sache.

13.2. der Ausflug nach Botswana, in den Chobe Nationalpark. Und gesehen, was es zu sehen gab. Hippos, Krokodile, Warane, Elefanten, Giraffen, Antilopen, und eine einsame Löwin trottete in 2m Abstand auch noch an uns vorbei. Aber es hat mal wieder geregnet, aber wie. Wr haben Regenzeit, dafür bin ich nicht wirklich vorbereitet, und mit meinem Regenschirm lacht mich jeder afrikanische Wolkenbruch aus.

Und Mary hat mich schon wieder angerufen. Hat die einen Narren an mir gefressen? War doch nix, und jetzt telefoniert sie mir hinterher, immer auf meine deutsche Handynummer.

14.2. nach 21 ermüdenden Stunden im Bus bin ich dann in der früh in Windhoek angekommen. Und habe dann nach einigen Mühen eine Unterkunft gefunden, Schlafsaal in einem Backpackers Hostel. 10 Euro inclusive Frühstück. Da finden sich dann die interessantesten Typen ein, und man kann sich endlos unterhalten und die schrägsten Erfahrungen austauschen. Erzähle ich meinem englischen Zuhörer über meine Erfahrungen mit den Schurkenstaaten, oder wie ich in den Nicht-Staat Nagorno Karabach reiste, kontert er mit seinen Erfahrungen im Nicht-Staat Transdniestrien. Und der sei der erste Staat, der seiner Meinung nach versenkt gehöre...Ein deutsches Pärchen nebenan ist mal einfach so mit dem Auto von Karlsruhe nach Windhoek gefahren, immer die Westküste Afrikas runter, durch alle möglichen Exotenstaaten, Kongo, Angola, alles ist möglich. Das hat mich natürlich wahnsinnig interessiert, denn der Kongo und Angola stehen eher auf meinen kurzfristigen Zielliste. Da vergeht der Abend dann im Nu, und man ist dann um 4 Biere schwerer und wahnsinnig angeregt von den Möglichkeiten, welche sich auftun.

Mein Alter macht in diesen Backpackerunterkünften übrigens nichts aus. Ich bin nicht der einzige "betagte" Reisende, wir haben eine ganz schöne Mischung, beeieinander, natürlich aber mit den jungen Rucksackreisenden in der Mehrzahl. Aber auch Chinesen und Japaner findet man jetzt dort. Zu meiner Zeit, damals, vor 30 oder so Jahren, waren wir doch noch mehr unter uns, kaum einmal einer, welcher mein Vater hätte sein können. Jetzt sprechen mich die Schwarzen, welche was von mir wollen, zwar mit Papa an, aber das ist auch alles. Mit den jungen Leuten sind wir "Alten" doch auf einem Level bzw werden so wie wir sind akzeptiert.

Windhoek selbst zeigt natürlich einige deutsche Vergangenheit, nicht nur die meisten Straßennamen sind noch auf Deutsch, auch ist sonst der deutsche Einfluss sehr spürbar. Aber in 2 Tagen hat man dann auch genug von Windhoek gesehen, das ist keine große Stadt, und die Sehenswürdigkeiten und Museen hat man da locker durch. Mitsamt genügend Zeit zur Muße.

Und so erwarten mich wieder 24 Stunden im Bus, nach Johannesburg, diesmal von der bequemeren Sorte. Weiter geht's dann nach Swaziland, denn zu meiner Überraschung bekommt man sein Visum für Moçambique nicht mehr an der Grenze. Will ich jetzt in Mbabane versuchen, bei der Botschaft dort. Nur wie ich nach Mbabane komme, ist mir nicht ganz klar, das muss ich sehr kurzfristig regeln. Denn der Sonntag ist mein Reisetag dorthin, und ich komme Samstagabend erst in Johannesburg an. Wird sich schon regeln.

Wieder mal geträumt, denn im Bus gibt es nichts zu essen, nur Softdrinks und Kaffee. Die Pausen sind so kurz, dass man nichts gescheites essen kann. Und so ernähre ich mich einen ganzen Tag - nein, länger - von Erdnüssen.

Vielleicht muss ich mir doch noch ein Auto mieten.

Sehr lästig, wenn man mit dem Intercape Bus reist, sind die amerikanischen Filme, mit denen man zwangsbeschallt wird. Typisch amerikanische Bibelfilme, sehr auf christlich gemacht, in denen zum Schluß der Glaube siegt. Die Amerikaner, in was für einen anderen Welt sie doch leben.

Und Mary ruft mich immer noch täglich an. "Where are you now?" Viel mehr als sehr dünne Kommunikation ist nicht, und nach einer Minute ist der Spuk wieder vorbei. Muss ihren nächsten Anruf mal wegdrücken.

17.2. und alles ist wieder anders. Nachdem mich Intercape nicht mit auf den Landweg nach Moçambique nehmen will, weil es offenbar neuerdings eine Visumpflicht gibt, komme ich ins Grübeln. Die Website unseres Außenministeriums bestätigt auch noch, dass man offenbar schon mit Visum einreisen muss, und so plane ich um und übernachte erst einmal in Johannesburg in einem echt guten Hotel. Das habe ich auch verdient, denn ich konnte mich mittlerweile selbst nicht mehr riechen. Überlegt, ob ich erst einmal nach Swaziland soll und dort das Visum beantragen, denn den Sonntag wollte ich nicht ungenutzt verstreichen lassen, sondern als Reisetag verwenden. Nachdem ich aber auch nicht den Bus nach Swaziland per Internet buchen konnte, bin ich kurzer Hand am Sonntag früh zum Flughafen gefahren. Und South African Airways hat mir das letzte Ticket nach Maputo verkauft, ging nur noch Business Class, und so bin ich regelrecht auf den letzten Drücker dort gelandet, wo ich sowieso hinwollte. (Vom Busfahren hatte ich eh schon die Nase voll, und wenn ich mir schon mal einen Luxus leisten kann, dann leiste ich ihn mir, wenn der die beste Alternative ist)

Vorteil der Business Class war dann auch, als Erster aus dem Flieger zu steigen und dann ganz vorne in der Schlange derjeniger zu stehen, welche so wie ich ein Visa on Arrival brauchen. Kostet stolze 78 USD, geht völlig problemlos, und schon ist man eingereist.

Moçambique mit der Brechstange könnte mein heutiges Thema heißen. Nein, ich scheiß mir nix, ich mach's wenn ich's kann.

Dann habe ich auch noch ein traumhaftes Guest House gefunden, ein dreifach Hoch dem Lonely Planet, und jetzt geht es los mit meiner Entdeckung von Maputo.

Ach ja, und Mary habe ich heute schon 3 mal weggedrückt.

Ein langer Spaziergang durch Maputo war das dann. Eigentlich eine sehr schöne Gartenstadt, überall Alleen, aber in manchen Gegenden guckt dann doch die sozialistische Häßlichkeit ziemlich frech. Was passiert, wenn man die Diktatoren Mao, Lenin und Mugabe mit den Damen Müll, Armut und Dreck kreuzt? Dann heißen deren Kindlein Maputo. In der Tat gibt es hier noch Straßennamen, welche woanders auf dem Müllhaufen der Geschichte gelandet werden. Nenne mir einen Diktator, und ich zeige dir die entsprechende Straße in Maputo. In tropischer Hitze sieht sozialistische Verkommenheit dann noch verkommener aus, die Hoffnungslosigkeit noch hoffnungsloser, und der Müll, welcher überall rumliegt, noch vermüllter. Samt Löchern im verwahrlosten Gehweg, da fehlt einfach mal der Kanaldeckel.

Winkt mich plötzlich ein Uniformierter heran. Ich ignoriere ihn, aber er wird herrisch. Ok, ich bleibe stehen. Er sei Polizist und wolle meinen Ausweis sehen. Den habe ich im Hotel vergessen, lüge ich. Oh, das sei aber ein schlimmer Fehler, dann müsse er mich auf die Polizeistation bringen, polizeilich identifizieren, und eine Nacht in Gewahrsam behalten. Samt einer Geldstrafe von ca. 125 Euro. Ich glaube ihm nicht, dass er Polizist sei, sage ich. Er zeigt mir seinen Ausweis. Dann gehen wir rüber zu seinem Kollegen, der ist bewaffnet, und der zeigt mir auch seinen Ausweis.

So langsam fange ich an zu glauben, dass ich es mit echten Polizisten zu tun habe, und deren Programm mit mir taugt mir nicht. Also täusche ich Verwirrung vor, wühle meine Tasche durch und, "ach da ist er ja, der Reisepass". Und zeige meine Identität samt Visum. Jetzt wird der Polizist ärgerlich, ob ich ihn denn verarschen wolle. Große Zerknirschung meinerseits, jetzt schauspielere ich was das Zeugs hält, ich habe mich wohl geirrt, tut mir schrecklich leid, habe auch Angst gehabt. Und so weiter. So langsam beruhigt sich der Polizist, bis ich ihm dann erkläre, was ich in dieser Ecke der Welt denn so tue. Zeige meinen Lonely Planet mitsamt der empfohlenen Tour durch Maputo, und zum Schluss verabschieden wie uns mit einem Lächeln, und unsere beider Daumen zeigen nach oben.

Uups, noch mal gutgegangen. Was wäre passiert, wenn ich meinen echten Pass einem falschen Polizisten ausgehändigt hätte? Deswegen habe ich den Zirkus veranstaltet. Sowas passiert mir heute zum ersten Mal. Und wenn man mit einem solch verdrucksten Regime bzw. deren Staatsdienern ausgeliefert ist, gibt es ja auch kein Benimmbuch, wie man sich richtig verhält. Arme Polizisten, von Paranoia durchdrungen oder sogar so geimpft.

Macht mir Moçambique nicht gerade sympathischer.

Drei Minuten später. Ein Polizist winkt mich ran. Muss ein Echter sein, denn er sieht genauso aus wie der von vorher, ist auch bewaffnet. Bevor er seinen Mund aufmachen kann, frage ich ihn, ob er meinen Ausweis sehen wolle. Nein, wolle er nicht. Ich solle zu seinem Chef, ok wir gehen rüber. Was ich denn tue, fragt er mich. Ich zeige ihm meinen Reiseführer, welcher genau diesen Weg vorschreibt. Und dann fängt er an zu ratschen. Wir unterhalten uns über Bayern München, und dass die Borussen hinterherhinken, und ich sei aus München, und er fragt wo denn jetzt Leverkusen stehe. Und so spazieren wir eine Viertelstunde zu dritt auf dem Rundweg weiter, er weist immer wieder auf die eine oder andere Sehenswürdigkeit hin, will mit mir eine Abkürzung gehen, das will ich aber nicht, weist in die Richtung wo es die Bars und die Mädels gebe, und wo ich besser nicht alleine hinsolle. Bis zum Bahnhof geht das so weiter, mir ist irgendwie unheimlich, aber die Beiden scheinen nur Unterhaltung zu wollen. Oder zum Schluss Geld? Der Chef zeigt sich aber relativ gebildet, ich fasse Hoffnung, und am Bahnhof endlich machen die beiden die Kurve, ich latsche alleine weiter und atme auf.

Kann man in Maputo nicht einfach so alleine rumspazieren? Ist das verdächtig? Bin ich ein Spion, bis zum Beweis des Gegenteils?

Nachdem mir mein Super-Guest House nur für eine Nacht gehört - Montag ist voll belegt, fange ich an zu überlegen, ob ich Moçambique abkürzen soll und etwas früher als geplant in ins hoffentlich weniger paranoische Swaziland weitermachen soll. Denn auf noch einen Tag mit solcher Betreuung kann ich verzichten.

Werde ich Montag früh kurzfristig entscheiden, wenn ich meine Alternativen kenne.

Mit dem Erlebnis im Hinterkopf verläuft dann der abendliche Restaurantbesuch mit gemischten Gefühlen. Was, wenn mich ein Uniformierter in der Dunkelheit herausfordern sollte? War aber nicht.

Wenigstens das Essen schmeckt ausgezeichnet, da, wo die meisten Gäste Bleichgesichter sind. Mit einer Hauptmahlzeit und 2 Bieren habe ich dann mal so kurz den Wochenverdienst eines Mocambikaners weggeschrappt. Und um dieses Arbeiter- und Bauernparadies kennenzulernen, arbeitet der hiesige Paradiesbewohner ein ganzes Jahr dafür, so viel kostet mich mal eben dieser Kurzbesuch.

Alleine im Dunkeln dann zurück ins Guesthouse, und das Alleinsein hat maximal einen Vorteil: man kann sich alleine eben besser auf die Löcher und Verwerfungen im Gehweg konzentrieren, welche sich unvermittelt vor einem auftun. Zu zweit läuft man wohl besser auf der Straße. Satt und wohlgerundet auf dem Heimweg sehe ich dann immer wieder einzelne Schwarze, welche die Mülltonnen durchwühlen. Mahlzeit.

Der Aufpasser, der mir das Tor zum Guesthouse aufschließt, trägt eine Wollmütze und eine warme Jacke. Na klar, sind ja nur noch 25 Grad. Und so atme ich auf, dass mich die Polizei doch mal in Ruhe gelassen hat.

Ist vielleicht doch besser, ich schließe mich abends in mein Zimmer ein, das mit dem abends Ausgehen birgt mir doch ein paar schon bekannte Risiken (so ein Gefühl hatte ich bisher noch nie gehabt). Meine Begleiter für diesen Abend sind 2 Flaschen Wasser und ein billiger spanischer Rotwein, so lässt es sich dann einigermaßen entspannt über dieses Land räsonieren.

Moçambique ist vielleicht doch nichts für einen Alleinreisenden mit wenig Zeit. Das Land selbst soll wunderschön sein, aber das nützt mit jetzt nichts. Hier wollte ich eigentlich am meisten Zeit verbringen, von Malawi aus runter nach Maputo, und das dauert. Ist aber anders gekommen, vielleicht sogar Gott sei Dank, denn ich hätte schon recht dumm geschaut, wenn man an der Grenze doch mein Visum hätte sehen wollen.

Teuer ist Moçambique auch. Da war Namibia geschenkt dagegen. Und Namibia hat mehr zu bieten, und vor allem auch weniger Dreck und Müll. 70 Euro löhne ich für mein Guesthouse, die zahle ich auch gerne. Mitsamt Mahlzeiten und Tralala kommen da täglich drei Monatslöhne (eines Polizisten) zusammen. Um Dreck zu gucken. Nein, jetzt werde ich sarkastisch, ich wollte es so, und jetzt habe ich es so. Wie hatte ich es weiter oben ausgedrückt: Moçambique mit der Brechstange. Recht geschieht mir.

Um hier den Hintern hochzukriegen, muß die hiesige Regierung sich noch etwas anstrengen, die liegen ja so weit zurück. Die Chinesen haben das wohl schon zur Kenntnis genommen, ich bin an einer Riesenbaustelle vorbeigelaufen, da wird deren neue Botschaft gebaut. Dann wird Moçambique in sozialistischer Freundschaft geholfen, im Klartext heißt das, die Chinesen sichern sich dann deren Ressourcen, bevor andere auf den Gedanken kommen. Und in welchen Taschen landet wohl das Geld der Chinesen? Werde ich jetzt zynisch?

Aber wenn man die Kalaschnikow in der Nationalflagge meint haben zu müssen, dann fehlt mir jede Sympathie mit dieser Regierung.

Ach wenn man Sozialismus nur essen könnte.... Alle Linken der Welt, hier experimentiert man schon bald 40 Jahre mit diesem so überlegenen System. Heraus kommt Dreck und Armut. Ba.. Das können die Chinesen weitaus besser. Heißen sich zwar Sozialisten, aber sind doch knallharte Kapitalisten. Darin sind die Chinesen unübertroffen: vorne so tun als ob und hinten deren Vorteile sichern. Und die haben deren Hintern inzwischen sowas von nach oben bekommen mit deren Staatskapitalismus, das muss ich neidlos anerkennen. Ach was sind wir doch für Gutmenschen im Vergleich dagegen...

Auf nach Swaziland, dort hat der Oberswazi ein paar Hundert Frauen in seinem Harem, und jeder darf so viele Frauen haben wie er es sich leisten kann. Und Aids hat jeder Dritte. Was können wir gebildeten und politisch korrekten Europäer - und wir deutschen Männer müssen sowieso aufpassen mit unserem Machismo - vom Swazi an sich lernen? Muss ich wohl ergründen. Und werde wohl geschimpft kriegen, wenn ich meine Ergebnisse mit einer deutschen Emanze diskutieren wollte. Gehen wir's an.

18.2. Gestern hatte ich Mary drei mal weggedrückt, aber sie schert sich nicht drum. "Where are you?" tönt es beim Frühstück in mein Ohr. Eine Minute und 4 Sekunden, und ich bin den Spuk wieder los. Muss ich doch Zuhause mal nachschauen, ob man gewisse Telefonnummern blocken kann. Mary wäre die Erste...

Ciao Moçambique, ich habe mich entschlossen, nach Swaziland weiterzuziehen. Mit dem Taxi zur Busstation, dort stehen die Minibusse rum, die immer dann abfahren, wenn sie voll sind. Also klemme ich mich eine Dreiviertelstunde in einen Sitz, und dann geht die Reise los. Wer eine Chapa, so heißen die Minibusse hier, fahren will, muss den Körperkontakt mit Afrikanern mögen und auch eine Portion Humor mitbringen. Schnell komme ich mit meinem Nachbarn in Kontakt. Er trägt ein Fußballtrikot vom FC Chelsea, und so muss ich ihn zur Rede stellen, wie er denn das Endspiel der Championsleague vergangenes Jahr gefunden hat. Wir sind uns schnell einig, dass Bayern München besser gespielt hat - was von den Zuhörern mit Kopfnicken bestätigt wird. So habe ich wenigstens meine Kurzweil, solange ich meine Haxn so einklemmen muss, mitsamt Reisetasche und Handgepäck. Fußballkenntnisse - zumindest Grundkenntnise - sind noch immer sehr hilfreich gewesen. Und so kann ich fachsimpeln, über Lothar Matthäus und Rumenigge, das sind die großen Vorbilder meines Nachbarn, und ich kann schon deswegen mithalten, weil das auch meine Zeit war.

Nein, meinen Reisepass habe ich auch auf Verlangen nicht mehr hergegeben, sondern habe die Registrierung persönlich erledigt - welcher Typ da welche Funktion hat kann ich eh nicht wissen.

Die Grenzformalitäten gingen einigermaßen, wieder einmal wurde mir gesagt, dass ich mein iPad hätte registrieren sollen, was ich nicht getan habe, weil mich auch niemand bei der Einreise danach gefragt hat.

Dann wird mein Gepäck durchwühlt, erst noch auf mocambikanischer Seite, dann beim Nachbarn in Swaziland 100 m weiter, und zum guten Schluss nochmal von den Soldaten des Checkpoints, und schon habe ich mein iPad eine Station weitergeleitet.

Mein Nachbar kennt sich auch mit den Zuständen mit den Frauen in Swaziland aus. Also, ich kann auch heute noch so viele Frauen heiraten, wie ich will bzw. mir leisten kann. Er rät mir aber ab, mehr als eine zu wollen, denn mehr ließen sich eh nicht managen, und wenn man sie nicht unter Kontrolle halten kann, büxen sie eh früher oder später aus. Der durchschnittliche Brautpreis liegt bei 13 bis 17 Kühen, im Ausnahmefall auch mal 20. Eine Kuh kostet so um die 400 Euro. Da werden also Jahresgehälter investiert. Welche mal erst einmal gespart haben muss. Den Brautpreis bekommt immer die Mutter der Braut, und die Hochzeit findet auch immer bei den Brauteltern statt. Für jedes Kind, welches ich meiner Frau mache, muss ich meiner Schwiegermutter eine weitere Kuh spendieren, ansonsten darf das Kindlein nicht meinen Namen tragen und gehört somit der Familie der Frau.

Es sind auch die Frauen, welche in Swaziland den Handel betreiben. Am Beispiel unserer mitreisenden Swazi-Frauen sei das zu sehen. Die würden mit Fleisch nach Moçambique fahren, bringt dort mehr Geld, und dann dort Kleidung kaufen, die sei in Swaziland teurer. In der Tat dürften diese Frauen an der Grenze ihre Riesentaschen, welche im Anhänger verstaut waren, ausleeren, und dann wurde Stück für Stück von den Zollbeamten gezählt. Deswegen solle man, wenn man im Minibusse unterwegs ist, besser ohne Frauen reisen, denn dann gingen die Grenzkontrollen zügiger vonstatten.

Irgendwann bin ich dann doch noch in Manzini angekommen, wurde gleich vom Taxifahrer abgefangen, und dann ging's weiter, eine Übernachtung zu finden.

Wieder einmal habe ich nicht bekommen, was ich wollte, meine erste Wahl war ausgebucht, aber dann hat mich der Taxifahrer doch noch in einer traumhaften Backpacker-Unterkunft abgesetzt. Aber auch sowas von einsam gelegen, mitten in einem Nationalpark, vor dem Zaun laufen Antilopen und Zebras vorbei.

So sitze ich jetzt hier in der vollkommenen Einsamkeit, auch mein Blackberry geht nicht mehr, vor meiner Rundhütte, und genieße die Ruhe und die kalten Biere. Und es wirkt durchaus beruhigend, dass es da einen Zaun gibt zwischen mir und den Viechern.

Der Zaun, wie mir bald klar wird, ist eigentlich nur Zierde, denn die Viecher finden rein. So bin ich bald von Antilopen umgeben, und auch ein paar Warzenschweine quieken mit hochgestelltem Schwanz durch die Gegend.

19.2. ich wage es und gehe alleine einen Trail durch die Wildnis. Das ist der Nationalpark, in dem man stundenlang verschwinden kann. Ein bunter Vogel nach dem anderen fliegt vorbei, nur ich habe eigentlich nicht geplant, so eine Tour zu machen, und habe keine Kopfbedeckung dabei, und die trägt bei dieser Sonne jeder Afrikaner. Leichtsinniges Bleichgesicht, und hinterher fühle ich mich auch wie gegrillt. Die Sonnencreme hatte man mir bei der Handgepäckkontrolle konfisziert, und so musste ich auf Held machen.

Herrliche Landschaft, Gott sei Dank immer mal wieder Schatten, Antilopen so nahe, dass ich sie beinahe berühren kann. Dazu Zebras, Affen, und einen einsamen Büffel. Nach 3 Stunden bin ich aber genug geröstet, und bin froh, es wieder Heil in meine Hütte geschafft zu haben. Den Nachmittag verbringe ich dann mit viel Muße und Internet im nahegelegenen Malandela Guesthouse.

Am Abend noch eine Tanzaufführung der Swazis im Camp, dort, wo die Touristen busweise absteigen, mitsamt allem Ringelpietz, denn zum Schluss sollten wir auch noch mittanzen, was manche mit Begeisterung gemacht haben.

Da ist es plötzlich wieder, dieses Fremdschäm-Gefühl.

20.2. nachdem es mir immer unheimlicher wurde, wieder mal 8 oder mehr Stunden in einen Minibus nach Durban eingeklemmt zu sein, hat sich als beste Alternative herausgestellt, mit einem Minibus rüber nach Südafrika in die nächste Stadt zu fahren, und dort ein Auto zu mieten, mit dem ich dann den Rest der Strecke bewältigen will. Denn das ist mir klargeworden: mit wenig Zeit kann man auch in Swasiland keine großen Sprünge machen, die Sehenswürdigkeiten liegen doch zu weit zerstreut, und das dauert öffentlich dann doch.

Es wurde dann doch eine Odyssee. Denn so einfach kommt man nicht von Manzini nach Ermelo. Das ging in 4 Etappen, davon habe ich eine kurzerhand mit dem Taxi bestritten, die letzte aber brauchte Geduld, von der Grenze nach Ermelo. Denn von der Grenze fahren nur Minibusse, und die fahren nur, wenn sie voll sind. Irgendwann dann sind wir - das ist ein junger Engländer, welchen ich einfach mitgenommen hatte, weil er in die ähnliche Richtung wollte, und ihm das Auto dann doch als eine zu große Versuchung erschien, um mein Angebot abzulehnen - dann doch in Ermelo angekommen, habe nach einigen Irrungen schließlich Europcar gefunden - und ab dann begann das Menschsein. Denn sowohl in Südafrika als auch in Swaziland ist man ohne Auto aufgeschmissen. Die Attraktionen liegen doch zu weit zerstreut, als dass man sie so einfach öffentlich anfahren könnte. Wenn man dann noch so wenig Zeit hat wie ich, wird die Selbstbeschränkung noch sinnloser. Ich hätte mir auch schon viel früher ein Auto gemietet, nur kommt man aus Südafrika damit nicht nach Moçambique, und das war eben der Preis. Gewissermaßen bewegungsbehindert nach Swaziland reisen und von dort dann die nächste Mietwagenstation in Südafrika ansteuern - würde ich nicht mehr machen.

Nach ca. 4 Stunden Autofahrt kamen wir dann in Ladysmith an, wo wir uns ein sehr schönes Guesthouse gegönnt haben (muss fast sagen, dass gilt für den jungenEngländer mehr als für mich, denn der Preis war wahrscheinlich nicht in seinem Budget, aber er wollte wahrscheinlich nicht mehr weitersuchen, und mir das Guesthouse gerade recht.

21.2. on the road. Eine lange Fahrt, bei der ich in Greytown einen Strafzettel kassiert habe, wegen zu schnellem fahren. War ganz in Gedanken, und so winkt mich die Polizei beiseite und verpasst mir ganz freundlich und professionell, wenn auch umständlich, den Strafzettel über 300 Rand, weil ich 15 km/h zu schnell war. Deutsches Meßgerät, also habe ich auch keine Zweifel angemeldet. Die 300 Rand wollten die Polizisten aber nicht in Bar, sondern ich solle damit zur ABSA Bank, dort könne ich überall im Lande zahlen. Und die Bank wisse, wie man das mit der Überweisung macht.

Na ja, Zuhause wäre der Tarif beim Dreifachen gewesen, und eines muss ich den Polizisten lassen, die haben ihre Aufgabe ernst genommen und waren auch nicht korrupt. Nachdem die Banken eh schon zu hatten, musste ich die Überweisung auf den Freitag verlegen.

Den jungen Engländer habe ich dann in Pietermaritzburg abgesetzt, dann fuhr ich alleine weiter. Bis Mthata würde ich es wohl nicht mehr schaffen, aber ich wollte zufahren, so weit wie möglich eben kommen.

Geschafft habe ich es dann bis Kokstad, dort in einem schönen Gasthof übernachtet. Die Fahrt dorthin war schon recht pittoresk, voll durchs Land, überall Rundhütten, und den blauesten aller blauen Himmel gibt es eh nur in Südafrika. Auffallend sind die vielen Werbungen für Beerdigungsunternehmen, welche man schon im kleinsten Dorf sieht. Ich kann mir das nur so zusammenreimen, dass hier vielleicht jeder Fünfte AIDS hat, da wird also ordentlich gestorben, und da wächst eben die Dienstleistung für Beerdigungen.

Kinder am Straßenrand in Schuluniformen, und selbst bei größter Hitze tragen manche Pullover.

22.2. weiter nach Mthata. Dort angekommen, musste ich feststellen, dass das Nelson-Mandela Museum wegen Renovierung geschlossen ist. Damit blieb ich in hat lange dort, sondern machte mich dann von hier aus auf den Rückweg, und der war lange.

Ach ja, die Zeremonie mit dem Bezahlen des Strafzettels dauerte über eine halbe Stunde, in einer ABSA Bank mitten in der Provinz (Mount Frère). Und scheiterte doch zu. Schluss, weil der Computer der Bank die erfassten Daten der Polizei nicht annahm. Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich Ausländer bin, und ich somit nicht ins System passe. Dann zahle ich halt eben nicht, immerhin war mein guter Wille da. Und lasse mich überraschen, was das südafrikanische System mit dem Zahlungsverweigerer macht.

Wieder bin ich lange übers Land, bei herrlicher Landschaft. Gefahren und gefahren, bis ich dann doch noch bei Tageslicht in Aliwal North angekommen bin. Wieder habe ich ich mich auf den Lonely Planet verlassen und in einem wunderschönen Gasthaus übernachtet. Und direkt am Oranje Fluss zu Abend gegessen.

So bequem wie das Autofahren auch sein mag, man bezahlt seinen Preis. Denn ich fahre alleine, und habe praktisch keinen Kontakt zu den Landsleuten. Das war im vollgestopften Minibus eben noch anders. Aber so sei es, die letzten 3 Tage kann ich auch einmal auf "bequem" machen, bei selbstgewählter Einsamkeit. Und es hat was, wenn man halten kann, wo man will. Und bald bin ich auch so weit, dass ich beim Abbiegen nicht mehr den Scheibenwischer bediene. Ist doch halt manches anders angelegt in einem Auto, welches eben auf der linken Seite fährt.

Ja, und was macht Mary? Hat mich heute wieder angerufen, es aber nur ein Mal klingeln lassen. Sie wollte wohl, dass ich zurückrufe. Sorry, Mary, du beißt auf Granit. Da muss man herzlos sein, oder man geht unter...

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