• Wolfgang Fobo

Was der Mensch nicht alles glaubt

Aktualisiert: 27. Feb 2019

Was der Mensch nicht alles glaubt

Eines der schönsten Elemente in meinem Beruf, wenn nicht sogar das Interessanteste, ist, auf meinen Reisen immer wieder damit konfrontiert zu werden, was der Mensch nicht alles glaubt.

Hatte ich mich gerade auf der letzten Reise in Malaysia intensiv mit einem verhexten Vertreter auseinandersetzen dürfen, welcher sich gerade mühsam aus seinem Verhext-Sein befreite, so hatte ich es wenige Wochen später wieder mit politischen Glaubensbekenntnissen zu tun. Wir hatten bis zum Abflug ein paar Stunden Zeit, und das reichte aus, dass unser Kunde mit mir einen Ausflug machte zum Geburtsort von Mao Tse Tung. Diesen wollte ich schon immer mal kennenlernen – viel mehr noch wollte ich einmal erleben, wie „der Chinese an sich“ heutzutage mit deren Großen Vorsitzenden umgeht.

Shao Shan heißt der Ort, natürlich voller Touristen, und um in Maos Elternhaus eingelassen zu werden, muss man lange Schlange stehen. Die Chinesen sehen das aber locker, keine Spur von Ehrfurcht, keine besondere Kleiderordnung, nein, sie nehmen das Ereignis eher wie ein Spektakulum, und eine Gelegenheit, auf Firmenkosten einen Ausflug zu machen. Denn wie mir mein Führer bedeutete, kann der Chef, wenn man einen Betriebsausflug machen will, wohl kaum ablehnen, gewissermaßen zur politischen Bildung den Geburtsort von Mao zu besichtigen. So sind sie, die Chinesen, pragmatisch wie immer, geübt in der Kunst der Lippenbekenntnisse, damit sie zu ihrem „Sach“ kommen.

Ganz anders war das noch im Mausoleum von Kim Il Sung in Nordkorea, da wird uns Touristen nahegelegt, die besten Kleider anzuziehen, Männer mit Krawatte. Die Nordkoreaner, welche hier eingelassen werden, kommen eh im Sonntagsstaat. Und dann wird geschwiegen, ergriffen geschwiegen. Und sich verbeugt, vor dem einbalsamierten Kim, links davon, rechts davon. Aber bitte schön nicht von Hinten!

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Die Kommunisten legen einen Kranz nieder…

Aber dann bin ich auch in Shao Shan auf meine Kosten gekommen. Im Park die Statue von Mao, und hierhin pilgern die Mitglieder der Kommunistischen Partei. Und legen einen Kranz nieder. Dabei kam ich voll auf meine Kosten, denn die Kommunisten haben dann auf Mao oder die Kommunistische Partei laut und mit erhobener Faust einen Treueeid geschworen. Ich muss dieses Wort bemühen, es war einfach supergeil, wie die Kommunisten sich da vor der Statue verausgabten.

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Hier wird laut gelogen – alle machen mit

Ich hätte sie am liebsten gefragt, ob sie sich nicht zum Kasper machen. Denn ich bin überzeugt, dass die Allerwenigsten daran glauben, was sie da gelobt haben. Sondern es geht um handfeste materielle Vorteile, die man hat, wenn man Mitglied der Kommunistischen Partei ist. Denn da kommt nicht Greti und Pleti rein – nein, man wird auserwählt.

Zum Kasper habe ich mich auch schon machen dürfen, gerade in Nordkorea. Im Rahmen des Besuchsprogrammes darf man vor der Statue von Kim Il Sung einen Strauß Blumen niederlegen. Diesen Strauß kauft man vorher für 5 US Dollar, und ich mache jede Wette, dass dieser Strauß anschließend wieder eingesammelt wird, um dem nächsten Touristenkasper angedreht zu werden. Nicht dass ich mich da innerlich groß verbiegen musste, denn ich bin schon genug „Chinese“, um das eine zu tun und das andere zu denken. Für so ein Spektakulum bin ich gerne bereit, auch einmal 5 US Dollar springen zu lassen. Was ich mich damals allerdings nicht zu fragen traute, war, ob meine beiden Führer wirklich glaubten, ich würde Kim Il Sung ehren.

Ich würde gerne auch mal bei den Zeugen Jehovas, den Salafisten oder den Scientologen einen Besuch machen, nur befürchte ich, ist dieses Thema zu heiß, und ich komme nicht so einfach wieder raus.

Warum machen die Menschen das, sich einer extremen Ideologie freiwillig anzuschließen? Lassen wir mal diejenigen außen vor, welche sich dabei Vorteile ausrechnen. Denken muss wohl weh tun, und ich kann mir die Sache nur so erklären, dass mit einem freiwilligen Vernebeln der Sinne so manche Erklärung, warum das Leben so ist und nicht anders, leichter fällt. Einfache Antworten auf komplizierte Fragen.

Vor vielen Jahren hat mir mal ein älterer Herrn erzählt, er habe seine Tochter auf die Missionsschule geschickt, und sie ist dann als Missionarin nach Indonesien gegangen, um die Heiden zu bekehren. Warum man sie nicht einfach an deren Götter weiterhin glauben lassen kann, fragte ich. Diese Frage hat dieser ältere Herr nicht verstanden und fast schon entrüstet gemeint, man müsse doch diese Seelen retten.

Diktaturen und Religion schließen sich aus. Denn wenn man selbst Gott ist, kann man keine anderen Götter dulden.

Und im Namen der Wahrheit haben die Herrschenden schon Viel Tod und Verderben über die Völker gebracht. Als Diener Gottes, und der wollte das so.

Als Student hatte ich mal eine Veranstaltung mit dem Deutschen Ufo-Institut in Stuttgart gemacht, mit dem Titel „Warum es Ufos gibt“. Herrlich. Kam natürlich nichts heraus, außer dass ich vorübergehend wusste, von welchem Sonnensystem die Ufos einfliegen (habe ich längst wieder vergessen, könnte vielleicht der Beteigeuze gewesen sein)

Um hier einmal mein eigenes Glaubensbekenntnis in einem dürren Satz niederzuschreiben: „Nichts Genaues weiß man nicht“..

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