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  • Wolfgang Fobo

Syrien Weihnachten 2007


So etwas kann man nur erleben, wenn man alleine reist. Und weil ich über Weihnachten alleine war, und schon immer mal nach Damaskus wollte, machte ich mich auf den Weg, selbstorganisiert, d.h. mit dem Lonely Planet in der Tasche.

Und es sollte sehr holprig beginnen. Meinem Schwur untreu werdend, nie mehr über London Heathrow zu fliegen, habe ich es doch wieder getan, denn die Ankunftszeit in Damaskus war recht zivil. Aber der Nebel in London hatte alles durcheinandergebracht. Zu spät losgeflogen, zu spät in London angekommen, aber Gottseidank hatte die Maschine nach Damaksus ebenfalls Verspätung. So kam ich zu spät in Damaskus an, aber zu allem Überfluss war mein Gepäck in London liegengeblieben. Also so wie ich war ins Hotel, und einen ganzen Tag gebangt, ob ich denn mein Gepäck noch sehen würde, oder ob ich 5 Tage in derselben Kleidung verbringen müsste. Doch, es kam, und ich hatte wohlweislich die Unterstützung vom Sheraton Hotel angefordert, ansonsten würde ich wohl noch heute auf dem Flughafen in Damaskus herumirren.

In Damaskus sollte ich nicht lange alleine bleiben – Christopher hatte mich vor der Omayaden Mosche aufgelesen (muss ich noch einwerfen, das ist ein absolutes MUSS, mitsamt dem Grab von Saladin), mich angesprochen, und ich hatte wohl nicht genügend Energie, ihn gleich wegzuschicken. Und so entwickelte sich eine echte Road Story. Schräg, voller seltsamer Erlebnisse. Dazu muss man aber alleine reisen.

Er stellte sich vor, Nachname Wolfgang, von Beruf Bauingenieur, aber derzeit hauptamtlich Stadtführer. Mit deutschem und libanesischem Pass, denn sein Grossvater war Deutscher. Mit teilweise recht eigenwilligen Vorstellungen von Deutschland – ein Volk, ein Reich, ein Führer, und wir hätten es verdient, die größte Nation der Welt zu sein. So hängte er sich an mich dran, mit seinem gebrochenem Deutsch Oder hängte ich mich an ihn dran? Ich weiß nicht mehr. Anstrengend teilweise, und er hat mich dauernd belabert. Wenn er englisch sprach, brauchte ich die Ohren nicht so zu spitzen, und so blieben wir die meiste Zeit beim Englischen. Und er wusste eine Menge. Christopher Wolfgang, eine Mischung zwischen Verrücktem und Genie. Erklärte mir die Kuppeln in Ingenieursprache (..nur Axialkraefte), schrieb auf seine ungeordneten Papiere auch mal ein Integral drauf, bei welchem er Schwierigkeiten habe, zu integrieren (sin x2). Crazy Christopher (kurz CC) passte wohl als Namen am besten, ein 44 jähriger netter Chaot, der irgendwo nicht so richtig hierher passte. Und er hatte erklärt und geredet, ohne ihn hätte ich wohl viel weniger gesehen. Da blieb der Lonely Planet in der Tasche stecken.

Immer wieder klingelte er er an Türen, wollte mir die typischen Damaszener-Häuser zeigen. Oh Pein, und ich musste immer mitmachen. Und wie oft wurden wir zum Tee oder Kaffee eingeladen (worauf ich dann immer wieder bieseln musste, aber wo? Aber auch da wusste CC Abhilfe. Rein ins nächste Restaurant, wieder oh Pein. Egal. Und wieder zum WC vorgedrungen) Auf diese Weise haben wir weiß ich wie viele Häuser gesehen, eines typischer als das andere, Paläste unter Renovierung, mit dem Architekten gesprochen, wieder Kaffee satt, wieder bieseln müssen, wieder irgendwo ins Restaurant, dann nach dem bieseln zum Snack eingeladen, wieder kein Geld verlangt, und so verlief der gesamte Heilig Abend Bei uns würde man sagen, wir haben uns durchgeschnorrt..

Denn im Schnorren war CC Meister, holte sich von überall her die Zigaretten (in Damaskus gäbe es bei Rauchverbot wohl eine Revolution, da bin ich mir sicher)

Höhepunkt meiner Heilig-Abendgeschichte war der Besuch von zig Kirchen. Griechisch Orthodox, Armenisch Katholisch, bei den Franziskanern waren wir, bei den assyrischen Christen, was weiß ich wo noch. Und mit den Popen und Priestern geredet, wieder Kaffee oder Tee, wieder bieseln muessen, und so wiederholte sich der Vorgang. Tür auf, Tür zu, bei irgendeiner Familie Mittag gegessen – langsam egal, ob peinlich oder nicht. Er führte mich als seinen Freund vor, und mir die besuchten Familien.

Ein paar mal wurden wir auch rausgeworfen, wenn er einfach in die Wohnung platzte oder in die Baustelle, was soll's.

Traurig der Besuch bei der jüdischen Synagoge. Zugesperrt, ewig viel Müll drum rum, es leben kaum noch Juden hier. Dann einen alten Juden besucht, ich immer hinterher müssend, und dieser alte Herr war offensichtlich todkrank, er wimmerte zudem vor Schmerzen („He's my friend“, sagte CC nur). Teilweise hatte ich das Gefühl, auch den Leuten sei es peinlich, so von CC vorgeführt zu werden. Nun denn, so lernt man gute Miene zum bösen Spiel zu machen – immerhin, ich bekam eine Menge zu sehen.

Und bei jeder Gelegenheit sagte er, weil ich ein Deutscher sei, mache er das alles umsonst. (Zum Zeitpunkt als ich dieses schreibe ist es auch noch so geblieben).

Ich habe mir dann auch ein Herz gefasst und CC gebucht, zunächst für einen Tagesausflug nach Palmyra und zum Crac des Chevaliers. Dazu bräuchte man normalerweise 2 Tage.

Immer wieder hatte CC was zum essen organisiert, ich kam gar nicht dazu, ins normale Restaurant zu gehen. Aber die von ihm organisierten Sandwiches schmeckten recht gut, wie mir überhaupt die syrische Küche recht schmeckt.

Ach ja, fast hätte ich Boris vergessen, seinen Arabisch-Studenten. Boris wurde mir ebenfalls so vorgestellt wie alle anderen, einfach geklingelt, und dann rein in die gute Stube. Boris stellte sich als 22-jähriger Student aus Tübingen heraus, recht schüchtern wirkend, der sich in irgendeinem Haus in der Altstadt ein Zimmer gemietet hatte – sagen wir besser eine Absteige. Zum Arabisch Lernen war er gekommen, und er sprach schon vorzüglich Arabisch. Und CC war sein Lehrer, mit täglich 2 Unterrichtseinheiten. Kostenlos, versteht sich, denn Boris ist Deutscher. Wieder mal einer der unglaublichen Zufälle. Hatte ich auch mit 22 Jahren in Stuttgart Arabisch gelernt, so stellte sich heraus, dass Boris auch etwas Chinesisch und Japanisch sprach.

Einen Wolfgang (wenn auch als Nachname) und Bauingenieur, dazu einen Boris mit seinen sprachlichen Interessen, das lässt sich vom Zufall her wohl kaum noch toppen. Muss ich denn nach Damaskus reisen, um solche schrägen Erlebnisse zu haben?

So verbrachte ich dann den Abend von Heilig Abend im Christenviertel von Damaskus. Alles war auf den Beinen, und überall war sehr viel Uniform zu sehen. DIe Soldaten sollten die Christen beschützen, hieß es, damit nicht ein verrückter Islamist noch auf dumme Gedanken kommt. In der Tat sind die Syrer recht tolerant, Alkohol gibt es frei zu kaufen, Und es scheint, die Religionen leben friedlich nebeneinander her. Nur die Juden sind so gut wie verschwunden.

CC wollte mit mir noch in einen Spätgottesdienst, um die Atmosphäre zu erleben. Aber ich lehnte ab, denn anderntags sollte es früh um 5 Uhr losgehen, auf den ersten von 2 Tagestrips hinein nach Syrien. Ich hatte mich erweichen lassen und ihn gebucht, als Fahrer und Führer. Boris hatte ich auch dazu eingeladen, denn ich wollte mich nicht alleine den ganzen Tag mit CC herumschlagen, und Boris war da ein guter Puffer.

25.Dezember In der Tat war CC in der Früh um 5 im Hotel. Und so ging es los, zunächst nach Palmyra, eine Fahrt durch die syrische Halbwüste. Ungefrühstückt hoffte ich, dann eben in Palmyra vor den Besichtigungen erst einmal in Ruhe frühstücken zu können. Was aber nicht funktioniert, wenn CC dabei ist.

Erst einmal hielt er nach knapp einer Stunde irgendwo in der Wüste, Dort stand ein Beduinenzelt, Tee trinken wolle er dort, sagte CC. Was hilfts, also sind Boris und ich hinterhergetappt, rein ins Beduinenzelt - nachdem die kläffenden Hunde ausser Reichweite waren. Mehr als ärmlich, diese Behausung, sehr primitiv ging es da zu.

Der Mann war irgendwo „außer Haus“, und die Frau (27 Jahre) mit ihren 5 Kindern, davon das Älteste 14, empfing uns. Brennholz wurde organisiert, Tee zubereitet, und auch irgendeinen Joghurt, welchen ich aber nicht anrührte. Und Fladenbrot, das gibt es überall und immer zum essen. Das seien seine Freunde, meinte CC, und er wolle uns ihnen vorstellen. Einfach so schlappt man herein in die „Wohnung“, sagt hallo, bekommt was zu essen und zu trinken, dann geht man, ohne Gegenleistung. Das ging laufend so mit CC, überall hatte er Freunde, und ich fühlte mich des öfteren vorgeführt wie ein Zirkuspferd. War es mir anfangs noch peinlich, einfach so aufdringlich irgendwo hineinzuplatzen, war es mir dann später egal. Das sei eben arabische Gastfreundlichkeit, meinte Boris. Na ja, ich weiss nicht, nichts im Leben sei umsonst, meinte ich. Doch, meinte Boris, das sei so eben hier. Ok, dann sei es so, und so war es das letzte mal, dass mir ein solches Hereinplatzen in Verlegenheit brachte.

Die 14jährige Tochter wäre übrigens zu haben und solle bald heiraten, meinte die Frau. Wenn denn einer kommt und die Mitgift aufbringt. Tatsächlich wird die Mitgift hier in Kamelen bezahlt, ich hätte die Tochter wahrscheinlich für so 50-100 Kamele haben können. Meinte CC.

Nachdem wir uns lange genug am Ofen gewärmt hatten, ging es dann weiter in unserer Road Story, und diese sollte noch viele Kapitel umfassen.

CC hatte seine Macken, das war mir schon früh aufgefallen. Aber irgendwie konnte man ihm nicht böse sein. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit pries er die Diplomaten als das Nonplusultra einer beruflichen Karriere. Und mit meinem Widerspruch konnte er nicht umgehen. Die meisten Diplomaten kämen nämlich aus München, dort werde auch das beste Hochdeutsch gesprochen - vor allem mein "Hochdeutsch" begeisterte ihn. Und erzählte pausenlos von seinen Freunden im diplomatischen Dienst, und da wolle er auch Fuß fassen. Keine Chance, CC, das kriegst du nie hin.

Dann wollte er, wenn er ein neues Wort aufschnappte, immer auch den Plural wissen. Aber was für Wörter er lernen wollte. "Was ist das?" Ich überlegte. "Eine Schilderbrücke". Die Schilderbrücke, Plural die Schilderbrücken. Oder "der Verkehr, die Verkehre (?), die Geiß, die Geißen, und was weiß ich für merkwürdige Wörter er sich speicherte, immer auch in der Pluralform "Boris schreib das auf". Boris, hinten im Wagen sitzend, gehorchte brav und schrieb alle Redewendungen und neuen Wörter auf.

Seine deutsche Aussprache war übrigens gräuslich, ich zog es vor, Englisch zu sprechen, nur er kam dann immer wieder mit seinem Deutsch-Spleen daher. "Ein Volk, ein Reich, ein Führer". "Wir sind die größte Nation der Welt", und so weiter.

So vertrieben wir uns die Zeit im fahren, da kam keine Langeweile auf. Ein Wirbelwind, ein Unikum, dieser CC.

Und ein grottenschlechter Fahrer, wie mir sehr schnell klar wurde. Viel Auto kann er nicht gefahren sein, so wie er fuhr. Des öfteren 2 Spuren nutzend, oder auch mal auf dem Standstreifen fahrend, und da ging es mitunter holprig zu. "Christopher, rechts!" rief ich ihm immer wieder zu. "Jaja, ich weiß", kam die Antwort. Und fuhr seinen Stiefel weiter.

CC wußte oft nicht, wo wir waren, und wie es weiterging. Stellte sich mit dem PKW mitten auf die Kreuzung und rief einen Passanten herbei, um sich die Richtung erklären zu lassen. Und der Verkehr zischte an uns vorbei. Mit der Zeit fragte ich ihn dann immer "Are you sure?". "Yes, I am", um dann doch wieder eine Minute später nach dem Weg zu fragen, dabei den Verkehr hinter sich aufhaltend. Dramatisch wurde es, wenn er nachts fuhr, dann sah er gar nichts mehr, ich habe ihm die Straßenschilder vorgelesen, so gut es ging. Und er fuhr mit einer Seelenruhe, das Fernlicht immer anlassend, völlig egal, wie ihn die entgegenkommenden Autofahrer anblinkten. Das merkte er nicht. Und Boris und ich waren zunehmend fasziniert und besorgt - irgendwann sagte ich ihm, wie das mit dem Abblenden funktioniert, das war ihm neu.

Nicht dass ich mich beklagen will, wir hatten mit CC viel erlebt, was wir sonst nicht hätten erleben können. Nur, ich war froh, Boris dabeizuhaben, auch wenn er hinten im Fond kaum was sagte und immer brav das neue Vokabular für CC protokollierte.

Palmyra ist ein Wucht, das muss man gesehen haben. Will ich nicht weiter ausführen, die Römer hatten ganze Arbeit geleistet Auch dort hatte CC seine Spezln, und Boris als sein "Sohn" musste keinen Eintritt zahlen - CC sowieso nicht als offizieller Reiseführer.

Nur, ich war hungrig, Mittag war es schon, auf das Frühstück verzichtet, dafür gab es ja den Besuch im Beduinenzelt. Auch auf das Mittagessen hätte CC verzichtet, wäre ich nicht immer penetranter geworden - schließlich kaufte er ein gegrilltes Hähnchen und natürlich Fladenbrot. Nicht dass wir im Restaurant Zeit verlieren. Irgendwie das Zeugs hineinstopfend, machte ich CC klar, dass ich mindestens einmal am Tag was ordentliches zum Essen haben wollte. "No Problem". Für CC gibt es keine Probleme, die dauern maximal 1 Minute, dann ist er mit den Gedanken wieder woanders,

Weiter dann zum nächsten Höhepunkt, der Mutter aller Ritterburgen. Heisst Craq des Chevaliers, und diese wurde von den Kreuzfahrern erbaut. Der Wahnsinn, was die damals hingestellt hatten. Ein unbedingtes Muss. Syrien, was hast du für Schätze.

Auf dem Rückweg nach Damaskus wollte mir CC dann noch Mar Musa zeigen, das sei ein altes Kloster mitten in den Bergen. (Meinen Lonely Planet ausgiebig gelesen habend, wusste ich um diese Attraktion, aber mir knurrte schon der Magen). "No Problem", meinte CC. Denn dort könne man abendessen, das habe er schon öfters so gehalten mit anderen Touristen. Also in den Abend hineingefahren, und die Fahrkünste von CC habe ich schon hinreichend wohlwollend beschrieben. Und das war ein Odyssee, bis wir endlich dort auf dem Parkplatz ankamen, ich weiß nicht mehr, wie oft er gehalten hatte, um nach dem Weg zu fragen, dabei jedesmal ein Verkehrshindernis darstellend.

Nur noch 340 Stufen nach oben durch die Nacht, und dann seien wir da. Kurz vor 7 abends kamen wir endlich an, ich fing schon an zu phantasieren, so hungrig war ich. Ein Kloster wie es pittoresker nicht sein kann, so echt und alt, mit wunderschönen Fresken. CC ging direkt in die Küche und stopfte sich schon mal was in die Backen. Dann die Überraschung, wir kämen zu spät, hieß es, die Mönche wären jetzt am arbeiten, aber wir könnten gerne zusehen. Das war dann der Weihnachtsgottesdienst am 25.12. Überraschend viele junge Leute, alles Ausländer, waren anwesend, als sei dies ein Geheimtipp-Kloster (steht ja auch im Lonely Planet). Die Zeremonie war eine Mischung aus Arabisch und Aramäisch, sehr stilvoll muss ich sagen. Und dann war Meditation angesagt. So schwiegen dann vielleicht 30 Ausländer und 4 Mönche so eine knappe Stunde vor sich hin, bei Kerzenlicht, in wunderschöner Atmosphäre. Das will ich nicht vermisst haben, das war mein Weihnachten 2007. Und mein Hunger war weg - geistige Nahrung sättigt offenbar auch.

Bei Vollmond die 340 Stufen wieder runter zum Auto, und weiter nach Damaskus. Und mein Hunger kehrte wieder, Ich wollte in der nächsten Stadt was essen, was Warmes, wie ich immer wieder darauf bestand. "No Problem". Dass CC auch nach vielem Fragen in dieser Stadt kein Restaurant auftrieb, zweifelt da noch wer? Also musste ich aktiv werden und habe ihn mehr oder weniger gezwungen, an der Autobahn in eine Raststätte zu gehen. "Nein, da wird man immer wieder beschissen", sagte er. Viel zu teuer. Als er dann spürte, dass ich der körperlichen Gewalt nahe war, gab er auf. Um die Raststätte zu erreichen, wollte er auf der Autobahn wenden und als Geisterfahrer die paar hundert Meter zurückfahren. Selten habe ich Boris so massiv erlebt wie jetzt, wir haben CC gewissermaßen das Messer auf die Brust gesetzt, er ist dann eben weitergefahren, bis die nächste Ausfahrt kam, wo er dann auf die gegnerische Fahrbahn wendete. Unter unserer nunmehr strengen Aufsicht.

Das Essen in der Raststätte war übrigens vorzüglich und ausgesprochen preiswert, 7 Euro für 3 Personen. Ja, Syrien ist nicht teuer, und man kann für wenig Geld hervorragend essen. Ist zu CC aber noch nicht ganz vorgedrungen, der frisst sich lieber bei seinen Freunden durch, geht dort in die Küche und schiebt sich was in die Backen.

So ist CC, man erlebt mit ihm nicht immer das, was man will. Aber die alternativen Erlebnisse sind nicht minder interessant, nur eben aufregender.

Und so kurz nach 11 Uhr abends war ich endlich wieder im Hotel, meiner Fluchtburg, dem Sheraton, der Insel der Seligen.

Und das war ja erst Teil 1 des Ausfluges mit CC und Boris, der 26.Dezember sollte nicht weniger spannende Erlebnisse bringen.

26. Dezember

Maalula wollte ich noch sehen, ein Dorf nicht weit weg von Damaskus, in welchem noch aramäisch gesprochen wird, und Klöster gebe es auch dort. Später losgefahren, weil vortags so spät zurück (CC wollte mich schon um 7 abholen, ich habe verweigert. Denn mit der Erfahrung vom Vortag wollte ich sicher sein, dass mein Magen voll ist, wenn es losgeht.).

Wirklich ein Ausflug wert, dieses Maalula, und wieder die reichen Schätze Syriens kennengelernt, in Form von christlichen Klöstern. In einem der beiden Klöster dann wurde dann das Vaterunser auf aramäisch gebetet, und das ist immerhin die Sprache von Jesus, die sich dem Vernehmen nach nicht verändert haben soll.

Dann weiter in den Süden, ich wollte die Folgen der Politik kennenlernen und an die Grenze zu Israel, nach Kuneitra. Das war CC unheimlich, er fragte mich immer wieder, ob ich wirklich dahin wolle. Und jedes Mal bestätigte ich. Er wisse doch was besseres, einen Punkt in den Bergen, da sei es nur 200 m nach Libanon und nach Israel. Ich wollte aber nicht, und so hat er solange gefragt, bis ich schließlich zustimmte. Ich konnte mir zwar nicht vorstellen, so nahe an die Grenze zu kommen, aber CC war ja mein Führer und sollte es wissen. Wusste er aber nicht. Dieser Abstecher dauerte 2 Stunden, natürlich wusste er den Weg nicht dorthin und musste zig mal fragen. Bis schließlich einer seiner Freunde in diesem Dorf eingestiegen ist und uns chauffiert hat, die Bergstraße hinauf. Bis zum Pass. Da könne man jetzt Israel und den Libanon sehen, meinte CC. "Wo?". "Dort oben, auf dem Bergrücken". Der war Luftlinie vielleicht 5 km weg, ansonsten war nichts bis auf schöne Landschaft und verschneite Berge. Und der Fahrer hat uns natürlich zu sich nachhause eingeladen, es stellte sich heraus, dass er der Schwiegersohn des Bürgermeisters war, und sein Bruder lebte in Deutschland. Tee gab es, was zu essen, was soll ich sagen, vorgeführt wurden Boris und ich wieder, wir machten mit als seine Freunde, und es ging dann viel zu spät weiter Richtung Kuneitra. Wir hatten kein Permit, und ich war gespannt, wie weit wir kamen. Dann die UN-Schlagbäume, in der Ferne war auf dem Berg schon der Horchposten der Israelis zu sehen. "Fahr langsam weiter", sagte ich zu CC, der sichtlich nervös wurde, als er den Schlagbaum sah, und so fuhren wir durch die erste Sperre, ohne angehalten zu werden. Parallel zur Grenze im Abstand von vielleicht 5 km, und es war schon spannend, die Horchposten der Israelis zu sehen. Dann doch ein Schlagbaum, an dem es nicht weiterging. Von Syrern besetzt, dahinter kam der UN-Schlagbaum. Und CC stellte sich den Soldaten als Freund des Gouverneurs vor, mit Beziehungen zum Geheimdienst, und blabla. Der Soldat ließ uns daraufhin passieren, nicht ohne die Autonummer zu registrieren. Und 2 Geheimagenten kamen mit an Bord, die sollten aufpassen, dass wir keine Dummheiten machten. So sind wir die paar km durch die Sicherheitszone gefahren, bis sie dann endlich zuende war, die Geheimdienstler ausstiegen, und wir weiterfuhren.

Hauptziel war ja eigentlich Bosra. Und wir waren viel zu spät dran, durch die Abstecher von CC verursacht.

Um 16 Uhr sollte das Amphitheater in Bosra schließen, und ich ahnte es, wir waren zu spät. Gehadert habe ich mit CC auf der gesamten Strecke nach Bosra, dann mußte ich ihn wieder ermahnen, nicht zu schnell zu fahren. Genau 5 Minuten kamen wir zu spät, CC fuhr gegen die Fahrtrichtung ins Parkverbot vor dem Amphitheater, er sei Geheimdienstagent, sagte er zu den Wächtern. Raus aus dem Auto. und die Kasse war noch besetzt. Und weil auch da seine Freunde sind, hat man uns noch hineingelassen. Ich habe wie immer bezahlt, Boris als sein "Sohn" war frei.

Bosra kann man wohl als Höhepunkt sehen, ein goldener würdiger Abschluß. ein riesiges Amphitheater der Römer, in sehr gutem Zustand, und darum herum weitere Ruinen aus römischer Zeit. Wollte ich nicht vermissen, dieses Bosra.

Lange konnten wir nicht bleiben, denn um 5 ist es im Winter dunkel, und so machten wir uns auf den Heimweg nach Damaskus. Und ich habe es geschafft, dass wir bei einem Zwischenstopp in einem Restaurant abendgegessen haben - CC hat sogar das Restaurant gefunden. Denn in dieser Stadt habe er 1 Jahr gearbeitet. CC hat trotzdem 5 mal gefragt, wo es hinginge. Machte es spannend, als er schnell das Auto parken wollte, und uns 30 Minuten warten ließ. Das Essen versöhnte uns, und weil der Besitzer natürlich sein Freund war, bekamen wir einen Sonderpreis, so ca 10 Euro für ein sehr ausgiebiges Mahl zu dritt.

Anschließend noch irgendeine alte Basilika besucht, mitten in der Nacht, nach zig mal fragen - ich wollte schon nicht mehr, Bosra war nicht mehr zu toppen). Sein letztes Angebot, irgendwelche alten Steine mitten in der Nacht anzusehen, habe ich dann ausgeschlagen, ich wollte noch zu ziviler Zeit ankommen in Damaskus, denn anderntags ging es zurück nach München.

„In der Nacht sind alle Katzen grau“,wollte ich ihm beibringen. Hat er aber nicht lange behalten, vor allem die Aussprache...

Der Abend ging dann so zuende wie er mit CC zuendegehen muss. Eine Rückfahrt nach Damaskus mit vollem Dauer-Fernlicht, Auf dem Standstreifen einer Landstraße, oder zu weit links."CC, nach rechts!". "Yes I know". Und politisierte wieder über die Deutschen, die Elitenation. Ich sollte ihm von Deutschland erzählen, seiner eigentlichen Heimat.

So ging mein Weihnachten 2007 zuende. Spannende, anstrengende Tage waren das. Aufregend, sehenswert, eine verrückte Reise zum Jahresende 2007.

Und meinem Schutzengel hoffe ich ein paar Tage Urlaub gönnen zu können, denn er hat hart gearbeitet.

Danke CC, ohne dich hätte ich weniger gesehen. Ordentlicher zwar, aber ich hätte viel weniger erlebt. Und bei aller Aufregung, die Erlebnisse mit CC will ich nicht missen.

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